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Ist Agil und Lean auch gleichzeitig Innovativer?

Ob agiler gleichzeitig auch innovativer bedeutet?

Eigentlich eine abwegige Frage, denn die agile Methode und Innovation haben prinzipiell erst einmal nichts gemeinsam. Doch ich habe beobachtet, dass viele Unternehmen, die sich modernisieren wollen, nicht selten beides Einführen wollen – einen neuen Ansatz für Innovation, um eine Innovationskultur zu etablieren, und agile Methoden wie etwa SCRUM für die Modernisierung von Arbeitsabläufen. Es scheint also so, als ob für viele das Einführen hipper Ansätze, wie Agile, irgendwie auch mit der Hoffnung auf einen neuen Innovationsgeist zu tun zu haben. Was ist da dran? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der agilen Methode und dem grundsätzlichen Innovationspotential?

Ich würde sagen, dass bisweilen Methoden wie KANBAN (~Lean) oder SCRUM (~Agile) vorrangig in technischen Berufen eingesetzt wurden und vermehrt noch werden. Da Technologie häufig im Zusammenhang mit Innovationen genannt wird, sind eventuell die synaptischen Verbindungen zwischen Innovation und Technologie und agilen Methoden oder einem LEAN Ansatz entstanden. Doch gibt es weitere Zusammenhänge?

Von der Automobilindustrie wurde der Lean Development Ansatz bereits früh etabliert (so ist Kanban von Toyota erfunden worden), was offensichtlich in erster Linie mit Effizienzsteigerung, Optimierung der Auslastung und Vermeidung von unnötigem Overhead bzw. Kosten in der Produktion zu tun hat. Innovation steht hier nicht unbedingt im Mittelpunkt dieser Methode, sondern vielmehr eine Fokussierung der Herstellung auf einen optimalen, schlanken Fluss der Abläufe und eine Optimierung der Lagerbestände. Die Einführung solcher Methoden kann sicherlich aber implizite Folgen auf die Unternehmenskultur haben, da sich andere Prozesse gleichsam ein- oder umstellen müssen oder im Vorfeld schon dahingehend umkonzipiert werden mussten. Effekte kann die Einführung eines ‚Lean Management‘ Ansatzes prinzipiell somit auch auf andere Ebene neben der Produktion haben:

‚Diese schlanke Unternehmenskultur kann über die Produktion hinaus auch weitere Unternehmensprozesse prägen. Damit können traditionelle Organisationsfelder wie Innovation, F&E-Management, Vorentwicklung, Applikation, Anlaufmanagement, Entwicklungslieferanten etc. auf ein in sich geschlossenes gemeinsames Fundament gestellt werden.‘

[Quelle: Wikipedia – Lean Development]

Bzgl. KANBAN (oft im Zusammenhang mit Agilen Methoden genannt, prinzipiell aber ein Ansatz aus dem LEAN DEVELOPMENT) würde ich also sagen, dass Fokussierung sowie die Vermeidung von unnötigem Overhead zu Freiräumen führen kann, die wiederum kreative Prozesse oder eine Fokussierung auf neue Konzepte möglich machen können. Allerdings gibt es keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen KANBAN und INNOVATION. KANBAN finde ich persönlich ziemlich gut, da weitaus weniger ‚religiöser‘ Overhead im Vergleich zu SCRUM entsteht. Dennoch würde ich sagen, dass durch KANBAN grundsätzlich kein Innovationsversprechen ensteht. Hier eine nette Gegenüberstellung von Lean und Agile …

Lean vs. Agile
Quelle: https://goleansixsigma.com/lean-vs-agile-whats-the-difference/

Was ist mit SCRUM? SCRUM ist zunächst mal AGILE. Was SCRUM im Detail ist, möchte ich an dieser Stelle aber nicht vertiefen, da es in sämtlichen Kanälen bereits rauf- und runter-erklärt wurde. Laut Scrum-Alliance verhält sich die Sache derzeit aber so:

‚According to the State of Agile Survey, approximately 60 percent of projects are Agile.1 After all, Agile frameworks help companies accelerate time to market, increase productivity, and respond to changes in priorities. Of all the Agile frameworks, Scrum is the most widely adopted. Professionals from around the world and in a variety of industries are using Scrum to position their teams for greater success.‘

[Quelle: https://www.scrumalliance.org]

Wie bei KANBAN stehen laut Scrum Alliance bei SCRUM also schon auch klar wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund – schnellere time to market, höhere Produktivität, bessere Adaptivität auf Veränderungen. Adaptivität ist hier aber das vorrangige Heilsversprechen. Da im Vergleich zu Wasserfall-Ansätzen bei SCRUM ja kleinere Inkremente anvisiert werden, die im besten Fall (zumindest in späteren Sprints) auch verschiffbar wären, geht es zum Einen natürlich um das frühe Einholen von Feedback und Kurskorrektur bzw. Optimierung während der Herstellung auf Basis von Inkrementen. Zum Anderen ist damit aber auch eine Kosten- und Risiko-Umverteilung anvisiert, die Phasen wie Konzeption, Qualitätssicherung etc. betrifft und in Wasserfall-Projekten anders aussieht. Ein klassisches Projekt fällt im schlimmsten Fall am Ende erst als Desaster auf, wohingegen die SCRUM-Philosophie davon ausgeht, dass eine permanente Adaption zu besseren Ergebnissen und weniger Risiko führt. Im wirtschaftlichen Sinne verspricht dies also einen Zuwachs von Produktivität. Das Agile Manifesto würde ich jederzeit unterschreiben, SCRUM hängt aber stark von dem Mitwirken, dem Pragmatismus und Verantwortungsbewusstsein aller Beteiligten ab und kann auch falsch ausgestaltet zu weniger Effizienz und gleichbleibenden Risiken führen.

Doch wie verhält sich SCRUM zur Dimension der Innovation?

SCRUM hat ebensowenig wie KANBAN direkt mit Innovation zu tun. Es macht weder aus Nihilisten kreative Erfinder, noch garantiert es bessere Produkte. Wenn es aber gut innerhalb der lokalen Bedingungen kultviert wurde und eingespielt funktioniert, kann es ein Entwicklungsteam zu höheren Mitverantwortung bewegen und durch den steten Dialog zu einem günstigen Entwicklungs-Flow führen. Kleinere Inkremente können grundsätzlich früh und regelmäßig reviewed werden und somit ist es möglich Ideen und Ergebnisse mit Stakeholdern und dem Markt abzugleichen. Dies setzt jedoch alles voraus, dass SCRUM taktisch sinnvoll eingesetzt wird und die Beteiligten Rollen sinnvoll zusammenwirken. Wenn dem so ist, kann also implizit SCRUM auch dazu beitragen, dass innovative Ideen gegenüber dem Markt und dem Kunden optimiert werden können, noch bevor sie final zur Marktreife gelangen. Insofern kann theoretisch SCRUM Innovationen begünstigen. Ein unmittelbarer Zusammenhang besteht jedoch auch hier nicht.

Es bleibt also festzustellen, dass LEAN oder AGILE sicher immer noch einen Hauch Modernität mit sich bringen. Schließlich wird immer noch in vielen Köpfen ein Wasserfallvorgehen gedacht. Da agile Methoden immer noch vorrangig im Bereich der Softwareentwicklung vorzufinden sind und Software immer noch neuer als Forstwirtschaft erscheint, trägt auch dieser Zusammenhang sicher dazu bei dass AGILE modern wirkt. Innovation und Innovationskultur hängen grundsätzlich aber nicht von der Produktionsmethode oder der Philosophie des Ansatzes ab. Das Einführen von agilen oder ’schlanken‘ Methoden kann aber implizit Effekte generieren, die auch für eine Innovationskultur zuträglich sein können. Ein Unternehmen, welches in Teilen agil agiert und in anderen Teilen einer Wasserfall-‚Planwirtschaft‘ nachgeht, wird aber auch das Risiko eingehen zwei Welten aufzubauen. Je nachdem wie gut oder schlecht das Management den Puls des Unternehmens deuten und Impulse setzen kann, können sich diese beiden Welten ergänzen, sie können zusammenwachsen oder letztlich auseinanderdriften. Wenn diese Welten einmal auseinandergedriftet sind, hat dies negative Folgen für das Innovationspotential des Unternehmens. Insofern empfiehlt es sich, unternehmensweite, kulturelle Transformationen in kleineren Schritten unter Beteiligung aller Mitarbeiter vorzunehmen und im offenen Dialog die Transformationsschritte zu rekapitulieren. Wie agile die Werte eines Unternehmens wirklich sind und wie hoch das Innovationspotential in der Tat ist, sollte ausgelotet und nicht verdrängt werden.

 

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