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Top-10 der nervigsten LinkedIn Posts Gesellschaft 

Top-10 der nervigsten LinkedIn Posts

Trash, Spam, Fake-News und so viel Irrelevantes

Eine Errungenschaft von Social Media ist sicherlich, dass das Teilen von Inhalten heute jederzeit jedem möglich geworden ist.

Es ist eine Errungenschaft, die vorher auch schon über Foren, Newsgroups und sonstige Mechanismen möglich war, aber den massentauglichen Durchbruch erst mit den prominenten Social Media Plattformen manifestiert hat. Die Demokratisierung der Kommunikation ist auch natürlich als gesellschaftliche Errungenschaft zu bewerten, da zuvor primär monodirektionale Kommunikationsmedien (wie z.B. Fernsehen) die Gatekeeper der Meinungsbildung darstellten und somit Massenkommunikation nur bestimmten Apparaten und Institutionen zur Verfügung stand, wodurch sich die ‚Macht‘ zur Meinungsbildung risikoreich konzentrierte. Die Kommunikation und Informationsverteilung auf Basis des Internet und im Speziellen via Social Media hat also grundsätzlich positive Potentiale freigemacht, was die Demokratisierungseffekte und den Meinungsbildungsdiskurs ausmacht.

Heute – in einer Zeit der Reizüberflutung, Omnichannel-Kommunikation, Fake-News – hat die Demokratisierung der Kommunikationskanäle auch einen negativen und faden Beigeschmack. Presidenten stellen ihr Ego als Brand durch übermäßiges Twittern vor ihr Amt, Cyber-Bullying (-Mobbing) und die gezielte Verbreitung falscher Nachrichten sind für fragwürdige Gruppierungen zum offenbar effektiven Mittel der Meinungsbildung geworden und Unternehmen sowie Individuen sind versessen darauf, sich als Influencer, also Meinungsbildner, in den einschlägigen Kanälen selbst anzupreisen. Beeinflussungspotential wiegt offenbar meist schwerer als die eigentliche Relevanz der Botschaft.

Ganz klar ist dies ein Problem, welches die Demokratisierung der Kommunikation unweigerlich pervertiert und eine neue gesellschaftliche Legitimation der Zensur hervorrufen kann.

LinkedIn – eine Plattform für ‚Professionelle‘, also das Business und im Kontext des Arbeitsumfeldes, ist keine Ausnahme. Werbebotschaften werden hier von Influencern als Neuigkeiten oder Trends lanciert und durch die gezielte Ausnutzung von Netzwerkeffekten (von Viralität, bis hin zu dem Prinzip ‚the rich get richer‘) sollen Botschaften möglichst viele Käufer und Multiplikatoren erreichen. Immer mehr Leute verstehen sich heute als eigener Brand und wollen / müssen somit als meinungsbildender Stellvertreter für bestimmte Themen verstanden werden. Denn dies garantiert letztlich einen Slot als Sprecher auf Events, Interviews oder Beiträge in Fachblättern, mehr Zuhörer und am Ende Einkünfte. Wenn Personen 80% ihrer Wachzeit darauf verwenden, den eigenen Influencer-Brand zu verstärken, dann muss man doch die Frage stellen, auf welcher Erfahrungsbasis die Botschaft generiert wird. Die Kommunikation verkommt in solchen Fällen ein wenig zu einem l’art pour l’art Gehabe.

Persönlich finde ich bestimmte Arten von Postings und Beitragsschwerpunkte besonders nervig, hier meine Hotlist:

  1. Posts von Influencern, die erklären, warum es gut ist Influencer zu sein und wie das geht oder nicht geht
  2. Posts, die erklären wollen, wie man glücklich lebt
  3. Abhandlungen über den Schlüssel zum Erfolg
  4. Posts, die garantieren, dass sich X beruflich verbessert, wenn man 3 Dinge anders macht
  5. Die Apple, Facebook, Google, Amazon, Microsoft, IBM – Newsgroup – Posts, z.B.  ‚guck mal, da ist vielleicht ein spannendes Detail zum nächsten IPhone geleaked‚ …
  6. Posts für Hons & Co (hon?) in denen neue Luxuskabinen einer Airline, Hotels mit goldenen Wasserhähnen und exklusive Locations für Neureiche zelebriert werden
  7. Posts von Marketing-Leuten, die erklären wollen, wie russische Hacker die Welt erobern wollen
  8. Posts über die Bücher die man lesen muss – weil Bill Gates die empfiehlt.
  9. Posts, die erklären wie man z.B. Emails sortiert, um das Zeitmanagement zu perfektionieren
  10. Reine, klassische Werbeanzeigen ohne jeden Anspruch auf inhaltlichen Beitrag

Damit die Zukunft der menschlichen Kommunikation über digitale Medienkanäle relevant bleibt, sollten sich manche selbsternannten Influencer und auch Firmen vielleicht mal ein wenig mehr mit Selbstkritik beschäftigen, im Sinne von ‚5 ways to successfully not post what is absolutely bullshit‚ 🙂

Ich wünsche mir mehr:

  • Kuration von relevanten, aufschlussreichen, informativen Inhalten durch die Masse: Verbreitung von Relevantem, nicht Populären
  • Rücknahme der Ambition der Vermarktung und Zunahme der Ambition des Informationsaustauschs
  • Zurückhaltung beim Teilen von Nachrichten über die Tech-Giganten (Facebook etc.), da diese ohnehin schon hinreichend vertreten sind und keine Hilfe bei der Promotion brauchen – beim nächsten Mal lieber über ein junges, unbekanntes Unternehmen mit einer guten Geschäftsidee posten, das würde den Wettbewerb wenigstens beflügeln
  • Reduktion im Gebrauch von Schlagworten und Vermeidung von dem Verwässern von Begriffen, um die Bedeutung und Funktion von Sprache zu sichern – sprich: Weniger Bullshit-Bingo bitte
  • Verbreitung von Inhalten, die zur Vertiefung von Wissen beitragen, nicht zur Verflachung
  • Mehr Kritik und Kritikfähigkeit wagen – wieso nicht mal im Kommentar eine fundierte Gegendarstellung zu einer Werbebotschaft unterbringen?

Man könnte nun sagen ‚Was soll die Aufregung? Man muss ja nicht lesen, was einem nicht gefällt …

Dass man auf das Lesen von Botschaften verzichten kann, ist zweifelsohne theoretisch richtig. Allerdings ist die Gesellschaft auch selbst verantwortlich dafür, auf welcher Basis sie ihre Meinungsbildung kultiviert. Alle müssen beitragen, das Informations- und Meinungsangebot aktiv mitzugestalten, um den gesellschaftlichen Diskurs in nahezu allen Fragen individueller und kollektiver Relevanz weiter- und nicht zurückzuentwickeln. Heute gilt dies für Plattformen wie LinkedIn im gleichen Maße wie auf Facebook oder Twitter. Dem Überangebot von Bullshit muss eine kritische Menge an qualitativ guter, informativer, kreativer oder inhaltlich weiterführender Botschaften entgegengestellt werden, so dass die Relevanz von Kommunikation nicht im long-tail untergeht.

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